…und jetzt sammel ich Preise!

Eigentlich geht es nicht um die Preise an sich…dabeisein ist alles. Es geht um den Wettbewerb und den schaue ich mir ganz genau an, bevor ich mitmache. Ich möchte nicht erst Geld auf den Tisch legen um dabei sein zu dürfen. Ich möchte auch nicht mit großen Firmen konkurieren mit bis zu 500 Mitarbeitern. Oder mit Konzernen, wo ich als „kleines Licht“ mit meinem Betrieb nur so eine nette Randerscheiniung bin. Und daneben habe ich noch ein komisches Gefühl bei deren Motivation … Wer sponsert, oder wer sitzt in der Jury? Nein, ich schaue lieber ganz genau hin bevor ich mitmache.

Ein weiterer Aspekt ist auch das neue Netzwerk von ähnlich tickenden Menschen, die sich um so einen Preis versammeln.

So hatte ich schon beim FAIRWÄRTS Preis im letzten Jahr mitgemacht. Dort gibt es übrigens kein Preisgeld, sondern Gutscheine um sich zum Beispiel an der Tourcert Akademie ausbilden zu lassen.

Da die Unterlagen ja schon alle ausgearbeitet waren habe ich in diesem Jahr am Nachhaltigkeitspreis von Schleswig Holstein teilgenommen.

Aufgerufen waren alle Betriebe, Vereine, Schulen etc. aus Schleswig Holstein ihre nachhaltige Idee einzureichen.

Ob allgemein und allumfassend nachhaltig oder speziell zum Thema Bildung für neue Energien, Nachhaltigkeit in der Lieferkette oder den rechten Preis finden – faire Preise für Verbraucher.

…war ja schon alles ausgearbeitet. Na, ja fast. Es war nicht so einfach alles, was wir machen in die richtigen Zusammenhänge und dann in die vorgesehenen angegebenen Zeichen zu bringen.

Geschafft, abgeschickt, gewartet.

Pflicht war auch die Teilnahme an einem der angebotenen Workshops. „Wir schreiben das Neue vom Himmel“ hatte ich mir ausgesucht. Pressemitteilungen ansprechend schreiben. Jetzt will ich mal sehen, ob ich das richtig umgesetzt bekomme.

…dann endlich es kam ein Schreiben: Sie dürfen mit einer Auszeichnung rechnen! Uih!

Dann noch ein Anruf: wen bringen Sie denn mit? Nur Ihren Mann? Okay, dann noch das Team!

06.04.2017: Also auf nach Neumünster, wo die Feierstunde stattfinden sollte. Natürlich elektrisch und voll entspannt. Bis dahin.

Laden in Osterrönfeld
…voll entspannt und elektrisch zur Verleihung des Nachhaltigkeitspreises SH

Freunde und Kollegen begrüßen, Platz nehmen – am Besten in den vorderen Reihen, war die Ansage -. Gut.

Nette Musik von der Mittelholsteinischen Band, Interview mit den Vorigen Preisträgern…dann Vorstellung aller Bewerber.Tolle Projekte waren dabei.

Dann die Preise:

Zwei lobende Erwähnungen, zwei dritte Preise….wir immer noch nicht.

Jetzt aber!

Nein! Wieder nicht!

Der erste Preis geht an Janbeck*s FAIRhaus!!!!

WOW!

Ich war so angespannt, dass ich aufsprang wie ein Flitzebogen. Wahnsinn! So eine Ehre! Und dazu noch ein stattliches Preisgeld.

Janbecks FAIRhaus ist Gewinner beim Nachhaltigkeitspreis Schleswig Hosltein

Nun hatten wir Glück, das gerade die UN die Dekade des nachhaltigen Tourismus ausgelobt hatte…

Trotzdem: WIR FREUEN UNS SEHR!

Bild vom MELUR
Team Janbecks FAIRhaus

Und wofür jetzt eigentlich? Nur für eine Solaranlage auf dem Dach? Nein, das wäre auch uns viel zu wenig.Für eigene Energieerzeugung, eigene Wasseraufbereitung, noch mehr Technik, Kreisläufe von den Lebensmitteln bis zu den Mitarbeitern, vom Recycling bis zum Upcycling von alten Hoteltextilien,vom ständigen Vermitteln von Nachhaltigkeit ob bei den Gästen, Schülern, vom Netzwerken und vielem mehr. Es ist komplex, ziemlich schwer zu fassen und doch in kleinen Bausteinen von Jedermann zu kopieren. Nachlesen kann man das alles hier auf dem Blog.

Danke der Jury, allen Beteiligten, unserem Team, Freunden und Verwandten,unseren Gästen und allen, die uns mittragen!

Wir schweben im Moment auf „Wolke 7“, genießen  und sind einfach stolz.

Viele Grüße von den Janbeck*s

…und den nächsten Preis habe ich schon im Visier.

Hier gibt es mehr zum Nachhaltigkeitspreis

Was ist eigentlich der vielfältigste Beruf von allen?

…und zugleich einer der unbeliebsten und unbekanntesten…na? Drauf gekommen?

Ich würde ja mal behaupten die Hauswirtschaft!

Genau, ist was mit putzen und kochen. Und das muß man auch noch 3 Jahre lang lernen…wie öde! Genau, das ist das, was bei vielen Menschen im Kopf rumgeistert. Wozu das denn, anderen den Dreck weg machen…

Hauswirtschaft hat leider mit vielen Vorurteilen und viel Unwissen zu kämpfen. Dabei ist es ein besonders vielfältiger Beruf und umfasst ganz viele Berufsbilder:

Koch,Diätassistentin, Oecotrophologe, Bäcker, Konditor, Restaurantfachkraft, Rezeptionistin, Gästebetreuer, Tourismusfachkraft, Werbefachkraft, Zimmermädchen, Hausdame, Animateur, Kindergärtner, Pflegekraft, Psychologe, Reinigungskraft,Inneneinrichter, Dekorateur, Florist, Gärtner, Hausmeister…

…jedenfalls ist das in unserem Betrieb so.

Der Tag fängt an mit einem Plan was an dem Tag zu erledigen ist: Brötchen und Kuchen backen, Aufstriche herstellen, Frühstück herrichten,die Tische eindecken, Gäste betreuen, servieren, Ausflugstipps für den Tag geben, kleine Probleme lösen, Wäsche verarbeiten und natürlich auch putzen. Das ist so das Grundgerüst.

Dabei müssen wir dann natürlich beachten, welche Personen wir betreuen. Wer möchte was essen? Ist vielleicht jemand mit einer Krankheit am Tisch und braucht besondere Kost? Wie schaffen wir es, dass es alles appetitlich aussieht? Wie gestalten wir ein veganes Frühstück? Wie schaffen wir Abwechslung? Kommt eine Gruppe? Wie schaffen wir es Torten und leckere Kuchen im Café rauszugeben und dabei noch die Wohnungen für die nächsten Gäste herzurichten? Ist genug Wäsche vorbereitet? Wann können wir Fenster putzen? Wann können wir im Garten arbeiten? Wann haben wir genug Eigenstrom um die Elektroautos mit eigenem Strom zu laden etc.und natürlich: Wie und wann sind die Öffnungszeiten und Tischzeiten…

…und bei Allem ist dann noch zu berücksichtigen, dass genug (und die richtige) Ware da ist; dass die Produkte keine langen Wege hinter sich haben und möglichst aus Schleswig Holstein kommen; dass Zeit ist so viel wie möglich selber zu produzieren; dass für genug Leute auch genug Arbeit da ist; dass alle sinnvoll und adäquat eingesetzt werden; dass die richtige Techniken angewandt werden; dass Ausbildung und Schulung stattfindet; dass ergonomisch gearbeitet wird; dass ressourcenschonend gearbeitet wird; und natürlich dass die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden.

Dann müssen natürlich auch die Geräte gepflegt werden; es muß eine Grundreinigung stattfinden, wo auch mal die Schränke von der Wand kommen und dahinter geputzt wird; die Böden müssen aufgefrischt werden, die Wohnungen neu gestaltet oder umdekoriert; Gardinen und andere Textilien müssen neu genäht oder repariert werden; es wird recycelt und upcycelt; die Spiele auf Vollzähligkeit nachgeprüft werden; Mobiliar muß nachgeschraubt werden; Rezepte müssen mal erneuert werden; Kalkulationen müssen überprüft werden; große Feste oder Events müssen geplant und organisiert werden; der Garten muß gepflegt werden; Obst etc. muß geerntet und verarbeitet werden; Arbeitsplätze müssen überdacht und gegebenenfalls umgestaltet werden; Werbung muß gemacht werden; Anzeigen und Plakate gestaltet werden; Betriebsziele müssen festgelegt und überprüft werden; neue Ideen müssen gesammelt und überprüft werden.

Wir besuchen Messen, Seminare und holen uns Input aus Zeitschriften und Büchern. Wir studieren die Tageszeitung, weil auch tägliche Meldungen Einfluß auf unser tägliches Handeln haben können, wie zum Beispiel jetzt die Vogelgrippe. Gibt es eine Grippewelle? Ist die Straße gesperrt? Gibt es auf der Autobahn Staus, dass  die Gäste dadurch bei der Anreise beeinträchtigt werden? Findet ein besonderer Event in der Nähe statt? Steigen die Preise oder Abgaben? Gibt es neue Steuern? Gibt es wieder neue Produkt- Skandale? Was wird gerade Trend? Was beschäftigt die Menschen?

…das alles und noch viel mehr ist Hauswirtschaft! Und da soll noch mal jemand sagen, dass das langweilig ist. Bei uns jedenfalls nicht.

Ich selber habe meine Ausbildung auf dem zweiten Bildungsweg nachgeholt. Einmal die Woche bin ich etwa 2,5 Jahre zur Schule gehen, gegründet auf jahrelanger Praxiserfahrung, und habe dann eine Prüfung vor der zuständigen Stelle – bei mir war es die Landwirtschaftskammer Schleswig Holstein – ablegt. Eine gute Möglichkeit eine Ausbildung nachzuholen. Ansonsten sind es 3 Jahre Ausbildungszeit.

Und so vielfältig wie die Ausbildung selbst sind die Ausbildungsbetriebe. Vom Privathaushalt, dem Biohof mit Hofladen, dem kleinen Pensionsbetrieb bis zur Restauration mit 130 Plätzen.

Danach kann man in Altenheimen, Hotels, Kindergärten, Unis, Kantinen,Küchen, Privathaushalten (so was gibt es auch noch), als Dorfhelferin, Wohnheimen, Jugendherbergen, großen Firmen, dem öffentlichen Dienst oder landwirtschaftlichen Betrieben etc. arbeiten. Oder man geht weiter zur Schule, macht seinen Betriebsleiter, oder Meister, ein Studium zum Oecotropholgen, Sozialpädagogen etc. Es gibt viele Möglichkeiten und die beruflichen Aussichten sind gut.

…also von wegen altbaksch.