Hilfe, ich bin ein Messie, ein Sammler, ein Sachensucher

…zumindestens was Zeitschriften angeht. Die Landlust habe ich glaube ich von Anfang an…auf dem Couchtisch findet man manchmal keinen Platz mehr zum Ablegen…

Nun ist das Wort „Messie“ nur bedingt richtig. Es beschreibt ja eine ernstzunehmende Krankheit. Sammler und Sachensucher ist wohl richtiger…

Da ist noch alles Mögliche, was weiter verwendet werden kann, was ich finde oder sammle….Plastiktüten, die man hin und wieder doch noch mitbekommt, Papiertüten, Geschenkpapier, Fotokalender, Kronkorken, Korken, Geschenkbänder,Toilettenpapierrollen, Kerzenreste, Plastikdeckel, Wollreste, Kunsstoffblumentöpfe, Eierpappen, Briefmarken, Seidenpapier, Kartonagen, Glassscherben am Strand,Verpackungsmaterial, leere Batterien …

Da kommt schon ordentlich was zusammen.

Alleine schon die kleinen Knopfbatterien, die ich für meine Hörgeräte brauche. Alle 4 Tage zwei neue. Macht an die 180 Stück pro Jahr. Gut, dass man die zum Entsorgen geben kann und sie wieder aufbereitet werden.

Korken, Glas, Pappe geben wir zur Sammelstelle.

Gut, das ist ganz normales Recyceln, was sicher jeder macht.

Bei uns in Janbeck*s FAIRhaus geht das etwas weiter, um es mal harmlos zu sagen. Nachhaltigkeit ist für uns eine Herzensangelegenheit und fast schon ein Sport.

Irgendwie bin ich wohl „traumatisiert“ von der Generation meiner Großmutter. Da wurde ja alles wiederverwertet. Geschenkbänder wurden wieder gebügelt und nochmal benutzt. Oft auch das Papier. Alte Pullis wurden wieder aufgerebbelt und aus dem Rest etwas Neues gestrickt. Für einen Kinderpulli hat es immer gereicht. Ich seh mich noch abends beim Tatort die Wollknäule drehen.

Geschenkpapier verarbeite ich auch weiter, auch mal zu Konfetti oder für den Bastelkoffer meiner Enkel.

Mit Glasscherben vom Strand wird gebastelt.

Aus alten Kalenderblättern machen wir Umschläge für Briefe, Schachteln oder Heftchen.

Nochmal zurück in meine Kindheit: bei meiner Patentante durfte man ohne Vorwarnung die Kammertür nicht öffnen. Jede Küche hatte ja früher so eine fensterlose und oft komplett beleuchtungsfreie Kammer. Bei meiner Tante war die vollgestopft mit ausgewaschenen Margarinedosen, Eisdosen  etc.. Man könnte darin ja wieder etwas aufbewaren oder darin einfrieren. Man mußte schon aufpassen, dass einem das nicht alles entgegenkam wenn man die Tür öffnet. Das war damals so.

Es gab enorme Vorräte von Eingewecktem, Marmeladen und sonst etwas…oft hat man sich als junger Mensch darüber lustig gemacht, weil wir es eben anders gewohnt sind. Heute kauft man das, was man braucht eben im nächsten Supermarkt. Alles ist ständig verfügbar. Aber das war eben nicht immer so. Und die Qualität ist eben oft auch eine andere wenn man zum Beispiel an saisonales Gemüse denkt. Erdbeeren im Winter braucht kein Mensch. Gut, dass sich der Trend gerade wieder hin zum Konservieren, Fermentieren etc. bewegt. Gut auch für unsere Umwelt. Auch da machen wir mit und können so unsere Gäste im Café begeistern.

Aber was macht man mit Kerzenresten wenn man nicht selber daraus neue Kerzen machen will? Durch Zufall sind wir auf die Eckernförder Werkstätten gekommen. Die sammeln Kerzenreste und leere Toilettenpapierrollen (die Innenkörper) und machen daraus ein  neues Produkt namens K-Lumnet. Das ist ein Ofenanzünder. Hergestellt wird er folgendermaßen: die leere Toilettenpapierrolle wird in drei Teile geteilt, mit Holzresten gefüllt und alles in Wachs getaucht. Näheres kann man hier erfahren. Toilettenpapierrollen fallen bei uns im FAIRhaus eine ganze Menge an. Etwa 2000 Stück im Jahr. Das ist schon ein Berg. Die sammeln wir einfach in einem Müllsack und geben sie dann nach und nach in Eckernförde ab, wenn wir mal da sind.

Leere Toilettenpapierollen zum recyceln

Plastikdeckel von Milchtüten, Reinigungsmitteln etc. fallen bei uns im Betrieb ettliche an. Statt sie wie bisher immer über den grünen Punkt zu entsorgen sind wir auf ein Projekt gestoßen: für den Gegenwert vom Recycling werden Impfstoffe für Afrika gekauft. In der Hauptsache gegen Polio- Kinderlähmung. 500 Deckel werden für eine Impfung gebraucht. Sammelstellen gibt es viele. Wir haben einfach einen kleinen Behälter in der Küche vom FAIRcafé und schmeißen die Deckel da gleich rein.

500 Deckel für eine Polio Impfung in Afrika

Gute Kartonagen und Verpackungsmaterial nehmen wir wieder zum Verschicken und Seidenpaier zum Schutz für Zerbrechliches im Verkauf im Café…für manch einen nicht professionell genug, für uns aber sinnvoll.

Ja und die Eierpappen nehmen wir gerade jetzt im Frühling wieder zur Anzucht unserer Kräuter und Blumen für den Garten. Danach werden die Setzlinge dann in die gebrauchten Kunstofftöpfe umgetopft.

Gebrauchte Briefmarken hab ich schon als Kind gesammelt. Die wurden nach Bethel geschickt, wo sie aufbereitet werden. Mittlerweile haben wir eine eigene Sammelbox im Café stehen, wo jeder Briefmarken abgeben kann.

Die Kronkorken von den kleinen Seltersflaschen aus dem Café recycelt Maike von Strandnaht und upcyelt sie zu Magneten, die wir dann wieder im Kaffee verkaufen.

Magenten von Strandnaht
Upcycling mit Kronkorken

So, dann recyceln wir noch Bettücher und Handtücher aus der Pension zu Fußmatten und dergleichen. Das sind manchmal auch Berge. Ein Problem sind hier die Duschgele und Shampoos, die die Gäste verwenden. Da ist oft ein Stoff namens Polyquaternium 7 enthalten. Der arbeitet wie ein Zweikomponentenkleber wenn er mit Waschlauge zusammenkommt, verstopft das Gewebe und macht häßliche Flecken die man nicht wieder rausbekommt….Schade um die oft neuen Bio-Textilien.

Handtücher und Bettwäsche Gots zertifiziert
..hier bin ich also nur ungewollt ein Sammler-grins.

Was ich allerdings mit meinen Zeitschriften mache, weiß ich noch nicht. Es sind so viele und in unseren Ferienwohnungen stapeln die sich auch schon…

Wie wäre es mit einem Raum mit Regalen voller Zeitschriften einem bequemen Sessel als Rückzugsort? Einfach nur blättern, den Tag Tag sein lassen und Bilder anschauen…

Ach ja, wer alte ungenutzte Handies, kleine Elektrogeräte oder Druckerpatronen entsorgen möchte, die sammeln sich ja auch immer schnell an: es gibt einen besseren Weg als den über die Mülltonne! Der geht gar nicht. Einfach mal bei der Post schauen.

Tja und dann hilft da noch einfach weniger „Müll“ produzieren. Geht nicht immer, aber ich kaufe jetzt einfach mal weniger Zeitschriften…

…geht auch! Also weiter öko? Logisch!

Hat noch jemand ein paar gute Ideen zum Thema recyceln für uns?

 

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Sammeln oder nicht?

Neben dem Thema der Energie spielt natürlich auch bei der Zubereitung im Café die Nachhaltigkeit eine große Rolle. Wir versuchen so viel wie möglich selbst herzustellen und das möglichst aus Produkten aus der ganz nahen Umgebung. Die müssen nicht zwangsweise ein Biosiegel haben. Gut wenn ja, aber alle Produkte, die wir in unserem FAIRcafé verarbeiten müssen gut produziert werden. Aus eigener Erfahrung weiß ich wie teuer diese ganzen Lizenzen sind und was sie für Arbeit machen. Das ist für kleine Betriebe kaum darstellbar. Mir ist es wichtig die Menschen, die hinter ihren Produkten stehen zu kennen und ich vertraue ihnen. Auch deswegen sind wir bei FEINHEIMISCH. Hier haben sich Produzenten, Restaurants und Förderer zusammengeschlossen um die schleswig-holsteinischen Produkte zu fördern. Ähnlich wie bei Slow Food geht es auch darum alte Rezepturen und Lebensmittel aus Schleswig-Holstein am Leben  zu erhalten.

Na dann mal los!

Sonnenaufgang im Herbst
Sonnenaufgang im Herbst

Herbst was für eine tolle Jahreszeit: Bodennebel verhüllen alles in weiß und grau bis die Sonne zwischen den Wolken hervorkommt und immer stärker wird. Natürlich gibts es auch mal die Tage mit Nieselregen oder mehr. Die kann man ja gut am Schreibtisch verbringen. Auf jeden Fall gibt es draußen jede Menge zu tun, zu pflanzen und zu ernten. Also doch wieder Energie…nur anders.

Herrlicher Sonnenschein lockte mich neulich in den Garten. Los gings mit Körben und Eimer ausgestattet aufs Feld hinter unserem Haus. Was für ein Luxus. Holunder, Japanische Weinbeeren, Pflaumen, Ebereschen, Himbeeren und Brombeeren warteten darauf geerntet zu werden. Die reinste wilde Obstplantage. Etliche Male verfing ich mich in den Ausläufern der Brombeeren natürlich weil oben die „schönsten“ hingen. Natürlich überlege ich mir auch genau wo ich ernte. Sicher bewirtschaften wir unseren Hof ganz ökologisch, arbeiten ohne Spritzmittel, Unkrautvernichter und Monsanto – das sieht jeder, der bei uns auf den Hof kommt-. Was ich nicht beeinflussen kann ist alles, was von Nachbarn, den Landwirten oder den Flugzeugen etc. eingebracht wird…Wir leben eben nicht unter einer Glocke. Manche Ecken wo der Eintrag von anderen deutlich zu sehen ist lass ich einfach aus. Ist ja genug Platz da. Eines darf man auch nicht vergessen zu erwähnen: immer nur das ernten, was man kennt.

Auch ernten kostet Zeit, oder?

Ganz schön meditativ so ein ernten ganz alleine mit sich, dem Summen der Insekten und der Sonne. Mit der Familie geht das deutlich lauter zu, wenn einer den anderen fröhlich anstachelt: hier sind noch welche! Hier oben noch! Jetzt war bis auf den Trecker auf dem Nachbargelände kein Mensch zu hören. Es wurde gerade gepflügt und ab und zu hörte man die Steine an den Pflug knallen. Nur Fritzi , unser Hofhund, war in der Nähe und freute sich die vielen Tierspuren zu erschnüffeln. Und davon gibts hier einige vom Kaninchen, Fasanen bis zu den Rehen.

Brombeersaft, wollte ich einkochen. Dafür brauchte ich aber noch etliche Beeren und mein Eimer war nur halb voll. Okay, wir hatten ja auch erst letzte Woche geerntet. Das mußte also auf einen anderen Tag vertagt werden. Schließlich gibts ja noch mehr zu ernten. Überall hängen noch viele unreife Früchte. Hoffentlich komme ich rechtzeitig bevor die Vögel die holen.

Eine Wanne Holunderbeeren war dagegen schnell geerntet. Der Holundersaft aus dem letzten Jahr war gerade für die letzte Erkältung verbraucht. Zeit für neuen. Diesmal wirds ganz schön aufwendig mit dem Saften da der alte seinen Dienst aufgegeben hat. Also nach dem Waschen und putzen einmal normal mit etwas Wasser aufkochen und durch ein grobes Tuch filtern. Nochmal mit etwas Zucker aufkochen und in heiß gespülte Flaschen abfüllen. Dann braucht er nur noch bei Bedarf mit kochendem Wasser verdünnt zu werden.

Ebereschen waren reichlich am Baum, nur etwas schlecht zu erreichen, jedenfalls für Zwerge. Mit Erntehelfer am Stiel gings dann und hat im Ergebnis für 500g gereicht. Die werde ich jetzt erstmal einfrieren. So braucht man nicht auf den Frost zu warten der die Beeren für den Menschen genießbar macht. Vorher sind sie nicht so bekömmlich und bitter. Verarbeiten werde ich sie nachher mit Äpfeln zu gleichen Teilen. Das ist eine herb-süße Kombination.

Ebereschen
Ebereschen

Entdeckt: ein uralter Pflaumenbaum voll mit reifen Früchten. Ganz schwer zu erreichen trotz Erntehelfer. Nach einem kleinen Eimer hatte ich genug. Aber es hängen noch etliche Kilos dran. Kann ich doch endlich wieder Pflaumenmus auf dem Blech machen. Etwa 4 Kilo Pflaumen ergeben nur 6 Gläser zu 200 Gramm. Aber es schmeckt dann so wie bei Oma. Erinnerungen im Glas sozusagen.

Was vergessen? Ach die Äpfel, die so schön rot waren, dass Line schon neulich unbedingt ernten wollte. Einmal drehen und ab, so weiß man , dass sie reif sind. Ich ernte lieber erstmal eine Hälfte. Der Korb war gleich voll und zum Verarbeiten sind sie viel zu schade. Das sind so richtige Naschäpfel, die ich vor 7 Jahren zur bestandenen Meisterprüfung in der Hauswirtschaft von den Landfrauen des Kreises Schleswig-Flensburg bekommen habe- nicht die Äpfel, aber den Baum.

Jetzt fehlen noch die Brennesselsamen, Distelblüten, Haselnüsse …

Ist schon schön, wenn man so ums Haus rum ernten kann. Ich glaube ich werde nicht alles schaffen. Man soll es ja auch verarbeiten…Aber ich habe schon wieder etliche Ideen, was ich mit den Gästen machen kann. Auf dem Kneipp – Seminar neulichst hatte ich ja schon mit meinem Zitronen – Brennesselaufstrich für Überraschung gesorgt. Übrigens gehört Bewegung an frischer Luft und gutes Essen auch zu einer der 5 Säulen nach Kneipp.

Alle die jetzt auch mal ernten möchten, aber selbst keinen Garten haben sollten mal bei Mundraub.org  vorbeischauen. Da findet man öffentliche Sammelstellen und kann selber auch welche eintragen. Natürlich findet man dort auch die Regeln für das ernten. Fragen sollte man schon wem das Obst gehört… Aber es wäre auch schade wenn es sonst einfach verfaulen würde. Manchmal gibts ja auch einen Nachbarn, der seine Früchte gar nicht erntet. Dann wirds so richtig nachhaltig.

Und nicht vergessen: 2/3 für den Menschen und 1/3 für die Natur! Dann bleibt alles im Gleichgewicht.

Ernte bei Janbeck*s
Gartenfrüchte