32 Jahre nach Tschernobyl: Atomkraft- Nein Danke!

Und schon wieder zwei Jahre her, ein „alter“ Artikel, aber diese Zeit um die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl bleibt vielen unvergessen und ist Motiv für ein Umdenken….

Mal ganz persönliche Gedanken geschrieben am 26.04.2016 :

…heute am 30. Jahrestag nach Tschernobyl kann man doch gar nicht anders als das, was wir zu Zeiten von Brockdorf verzweifelt gerufen haben, laut hinausschreien: Atomkraft – Nein Danke!

30 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl sitze ich hier, ganz weit weg von Tschernobyl und die Tage damals sind so präsent als wären sie gestern: es war Kindergeburtstag bei uns. Wir haben im Garten unseres Hauses in Ahrensburg ausgelassen gefeiert. Die Kinder haben in der Sandkiste getobt. Es war eine riesige Sandkiste. Von einem kleinen selbstgebauten Holzhäuschen konnten die Kinder in die Sandkiste rutschen. Ein schöner Kindergeburtstag, bei dem wir viel Quatsch gemacht haben. So wie das so ist, an einem Kindergeburtstag.

Lustig und unbeschwert.

Ein leichter Frühlingsregen ging abends oder war es am nächsten Tag über die kleine, norddeutsche Stadt in der wir damals lebten.

Keiner ahnte was ettliche Kilometer von uns passiert war.

Zwei Tage später kamen erst die Meldungen. Immer mehr wurde bekannt.

Es gab keine Handys, Facebook und dergleichen. Also brauchten die Nachrichten, die man wohl mühsam versuchte „unter dem Deckel zu halten“ auch um sich zu verbreiten.

Erst gab es erhöhte Meßwerte, die aus Skandinavien gemeldet wurden.

Dann Tote bei Wartungsarbeiten im Kernkraftwerk von Tschernobyl.

Dann: Es hatte am 26.04.1986 in Tschernobyl einen Unfall im Kernkraftwerk gegeben.

Das war vor zwei Tagen. Und jetzt?

Schrecklich diese Ungewissheit: was bedeutet das? Was durfte man hier noch essen? Was sollte man tun? Wie konnten wir unsere Kinder schützen? …und nicht zuletzt was war dort mit den Menschen? Wurde denen geholfen?

Frische Waren vom Markt sollte man nur gegart essen, ettliche Menschen vernichteten ihre eigenen Ernten, weil der Regen in der Zwischenzeit darüber gegangen war und man nicht wußte wie gefährlich das alles war.

Was hatte uns die Wolke gebracht?

Schrecklich diese Ungewissheit und dabei waren wir so weit weg vom eigentlichen Geschehen…

Kinder durften draußen nicht mehr spielen. Tiere nicht auf die Weiden. Sand in den Spielkisten wurde ausgetauscht, Konserven und Produkte aus der Zeit davor bevorzugt, Milchprodukte gemieden und Pilze sollten gar nicht gegessen werden …

Wo war die Wolke runtergegangen?

Wohin kann man in Urlaub fahren…

Manches war aus heutiger Sicht vielleicht nicht nötig. Mancher Rat vielleicht falsch. Manches klingt vielleicht hysterisch. Vor allem rückblickend. Und vor allem für die, die nicht dabei waren. Unsicherheit hatte sich breit gemacht. Wem sollte man glauben? Das passiert, wenn Fragen offen bleiben.

Fragen über Fragen. Fragen ohne Antwort. Fragen ohne Antwort, die einen zornig machen. Fragen ohne Antwort, die wohl bewußt nicht beantwortet wurden…

Wenn man wissen will wie eine Bevölkerung so richtig unwissend gehalten wird muß man nur mal die Menschen aus der ehemaligen DDR fragen. Das hat mich so richtig sprachlos gemacht. Das durfte ich von unseren Freunden aus Plauen erfahren. Wahnsinn, wie ein Staat seiner Bevölkerung vorgaukeln kann „es ist alles unter Kontrolle“.

…in Tschernobyl selbst sprach man bald von einer „Todeszone“

…und heute? Wir sind kein Stück weiter, haben immer noch diverse Atomkraftwerke am laufen und wissen nicht wohin mit dem Müll.

Jetzt haben wir den „Salat“ und müssen damit leben. Mit den undichten Fässern in den Salzstöcken oder sonst wo. Mit den Fässern im Meer, die man im Meer versenkt hat, nach dem Motto: aus den Augen aus dem Sinn? Fässer, die anfangen sich aufzulösen. Alte Kernkraftwerke, die nicht mehr sicher sind.Bei uns und in unserem europäischen Umfeld.

Wir, aber  vor allem noch viele nachfolgende Generationen, müssen dafür zahlen…den Profit haben andere gemacht.

Was mich am meisten schockiert ist, dass alles so schnell in Vergessenheit gerät.

Wann war nochmal Fukushima?

Fünf Jahre ist das her? Wie lange sind die Versprechen her, die aus der Bestürzung heraus ein Umdenken gefordert und angekündigt haben? War das echt, oder nur wieder Effekthascherei? Was ist wirklich passiert?

Fragen über Fragen.

Wie war das nochmal mit der Halbwertszeit?

Zeit für Antworten! Zeit zum Umdenken!

Ganz persönliche Grüße von Uta Janbeck

Fazit am 26.04.2018: es hat sich nichts geändert. Ich erinnere mich immernoch als wäre es gestern passiert. Gerade jetzt, wo meine Enkel in dem Alter meiner Kinder sind. Gruselig.

Eigentlich ist es in vielen Bereichen nur noch viel offensichtlicher geworden,dass wir Bürger nicht über alles informiert werden.

Atomfässer mit Löchern, Plastik im Trinkwasser…die Liste ist lang .

Wie war das mal noch?

„Wann werdet Ihr endlich begreifen, dass man Geld nicht essen kann?“

 

 

 

 

3 Gedanken zu „32 Jahre nach Tschernobyl: Atomkraft- Nein Danke!“

  1. Hallo Uta,
    ich bin über eure / deine Seite gestolpert.
    Interessant, was ihr alles gemacht und geschaffen habt.
    Ganz vergessen wird das Thema in den Schulen aber nicht.
    Sogar bei meinem Sohn Elias, den kennst du ja auch, es das sehr present.
    Sie haben Tschernobyl in der Schule durchgenommen. Er kann mir erzählen, wie lange, welche Halbwertzeit bei selchem Stoff ist. Und sagt er immer, das hat eine Halbwertzeit von 30! jahre und das ist schon lang und erst die andere stahlenden Stoffe, 1000! Jahre. Auch fragt er immer, was denn in Fukoshima passiert, das belastete Wasser läuft doch ins Meer, was passiert mit den Tieren usw.?
    Wenn ein Kind so viel nachdenkt, warum unsere Poitiker nicht?
    Kann man nicht einfach den Menschen klar und deutlich sagen, so Leute könnt ihr nicht weiter leben.
    Nachdenkliche Grüsse
    Johannes

    1. Hallo Johannes!
      Das ist schön zu hören.Oder auch nicht, weil ich die Verzweiflung der Kinder auch mit höre.
      Wichtig scheint mir die Kinder über diese Problematik aufzuklären, nicht allein zu lassen, ihnen ihre Fragen zu beantworten und Motivation zu geben lange an dem Thema zu arbeiten um für Ihre Ideen zu streiten…in den Familien, auf der Strasse überall.
      Ich habe keine Vorstellung was Politiker so den ganzen Tag machen…mir fehlt eindeutig jemand der uns sagt wo wir in 50 Jahren stehen wollen und wofür es zu streiten lohnt.
      Es kann nicht so weiter gehen…um den Menschen das zu sagen braucht man aber viel Rückrad, Mut den Druck der Gegner und jetzigen Vorteilsnehmer auszuhalten, aber auch eine Vorstellung was man ändern muß und die Menschen begeistern können diesen Weg mit zu gehen.
      Ich kenne diesen Menschen noch nicht, leider, aber ich habe die Hoffnung, dass da jemand ist, der das kann und den ich noch nicht kenne…
      und so lange versuche ich andere Menschen für ein nachhaltiges Leben zu begeistern.
      Viele Grüße, auch an Elias, Uta

  2. Liebe Uta,

    da bin ich ganz bei dir.
    Auch ich erinnere mich noch sehr gut an die Zeit. Besonders prägend war es, als ich mit meiner Mom damals eine Radtour auf dem Deich an der Elbe gemacht habe. Es war schönstes Wetter und wir schon damals total naturverbunden. Zum ersten Mal in meinem Leben durfte ich mich nicht wie gewohnt ins Gras legen. Das war ganz schrecklich für mich. Ganz zu Schweigen von dem, was man noch Essen durfte. Die Angst war zu groß, dass etwas passieren könnte.

    Tagtäglich leben wir (noch) neben so einem Reaktor, von dem jeder weiß, dass er undicht ist. Strahlen entweichen und Kinder krank wurden. Jedes Mal, wenn ich an ihm vorbeifahren muss, schaudert es mich und ich halte die Luft an. Ich weiß, das bringt gar nichts, aber es ist die Ohnmacht vor Dingen, die man einfach nicht haben will.

    Liebe Grüße zu euch in den Norden,
    (bald sind wir auch da)
    Claudia

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