Was ist eigentlich der vielfältigste Beruf von allen?

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…und zugleich einer der unbeliebsten und unbekanntesten…na? Drauf gekommen?

Ich würde ja mal behaupten die Hauswirtschaft!

Genau, ist was mit putzen und kochen. Und das muß man auch noch 3 Jahre lang lernen…wie öde! Genau, das ist das, was bei vielen Menschen im Kopf rumgeistert. Wozu das denn, anderen den Dreck weg machen…

Hauswirtschaft hat leider mit vielen Vorurteilen und viel Unwissen zu kämpfen. Dabei ist es ein besonders vielfältiger Beruf und umfasst ganz viele Berufsbilder:

Koch,Diätassistentin, Oecotrophologe, Bäcker, Konditor, Restaurantfachkraft, Rezeptionistin, Gästebetreuer, Tourismusfachkraft, Werbefachkraft, Zimmermädchen, Hausdame, Animateur, Kindergärtner, Pflegekraft, Psychologe, Reinigungskraft,Inneneinrichter, Dekorateur, Florist, Gärtner, Hausmeister…

…jedenfalls ist das in unserem Betrieb so.

Der Tag fängt an mit einem Plan was an dem Tag zu erledigen ist: Brötchen und Kuchen backen, Aufstriche herstellen, Frühstück herrichten,die Tische eindecken, Gäste betreuen, servieren, Ausflugstipps für den Tag geben, kleine Probleme lösen, Wäsche verarbeiten und natürlich auch putzen. Das ist so das Grundgerüst.

Dabei müssen wir dann natürlich beachten, welche Personen wir betreuen. Wer möchte was essen? Ist vielleicht jemand mit einer Krankheit am Tisch und braucht besondere Kost? Wie schaffen wir es, dass es alles appetitlich aussieht? Wie gestalten wir ein veganes Frühstück? Wie schaffen wir Abwechslung? Kommt eine Gruppe? Wie schaffen wir es Torten und leckere Kuchen im Café rauszugeben und dabei noch die Wohnungen für die nächsten Gäste herzurichten? Ist genug Wäsche vorbereitet? Wann können wir Fenster putzen? Wann können wir im Garten arbeiten? Wann haben wir genug Eigenstrom um die Elektroautos mit eigenem Strom zu laden etc.und natürlich: Wie und wann sind die Öffnungszeiten und Tischzeiten…

…und bei Allem ist dann noch zu berücksichtigen, dass genug (und die richtige) Ware da ist; dass die Produkte keine langen Wege hinter sich haben und möglichst aus Schleswig Holstein kommen; dass Zeit ist so viel wie möglich selber zu produzieren; dass für genug Leute auch genug Arbeit da ist; dass alle sinnvoll und adäquat eingesetzt werden; dass die richtige Techniken angewandt werden; dass Ausbildung und Schulung stattfindet; dass ergonomisch gearbeitet wird; dass ressourcenschonend gearbeitet wird; und natürlich dass die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden.

Dann müssen natürlich auch die Geräte gepflegt werden; es muß eine Grundreinigung stattfinden, wo auch mal die Schränke von der Wand kommen und dahinter geputzt wird; die Böden müssen aufgefrischt werden, die Wohnungen neu gestaltet oder umdekoriert; Gardinen und andere Textilien müssen neu genäht oder repariert werden; es wird recycelt und upcycelt; die Spiele auf Vollzähligkeit nachgeprüft werden; Mobiliar muß nachgeschraubt werden; Rezepte müssen mal erneuert werden; Kalkulationen müssen überprüft werden; große Feste oder Events müssen geplant und organisiert werden; der Garten muß gepflegt werden; Obst etc. muß geerntet und verarbeitet werden; Arbeitsplätze müssen überdacht und gegebenenfalls umgestaltet werden; Werbung muß gemacht werden; Anzeigen und Plakate gestaltet werden; Betriebsziele müssen festgelegt und überprüft werden; neue Ideen müssen gesammelt und überprüft werden.

Wir besuchen Messen, Seminare und holen uns Input aus Zeitschriften und Büchern. Wir studieren die Tageszeitung, weil auch tägliche Meldungen Einfluß auf unser tägliches Handeln haben können, wie zum Beispiel jetzt die Vogelgrippe. Gibt es eine Grippewelle? Ist die Straße gesperrt? Gibt es auf der Autobahn Staus, dass  die Gäste dadurch bei der Anreise beeinträchtigt werden? Findet ein besonderer Event in der Nähe statt? Steigen die Preise oder Abgaben? Gibt es neue Steuern? Gibt es wieder neue Produkt- Skandale? Was wird gerade Trend? Was beschäftigt die Menschen?

…das alles und noch viel mehr ist Hauswirtschaft! Und da soll noch mal jemand sagen, dass das langweilig ist. Bei uns jedenfalls nicht.

Ich selber habe meine Ausbildung auf dem zweiten Bildungsweg nachgeholt. Einmal die Woche bin ich etwa 2,5 Jahre zur Schule gehen, gegründet auf jahrelanger Praxiserfahrung, und habe dann eine Prüfung vor der zuständigen Stelle – bei mir war es die Landwirtschaftskammer Schleswig Holstein – ablegt. Eine gute Möglichkeit eine Ausbildung nachzuholen. Ansonsten sind es 3 Jahre Ausbildungszeit.

Und so vielfältig wie die Ausbildung selbst sind die Ausbildungsbetriebe. Vom Privathaushalt, dem Biohof mit Hofladen, dem kleinen Pensionsbetrieb bis zur Restauration mit 130 Plätzen.

Danach kann man in Altenheimen, Hotels, Kindergärten, Unis, Kantinen,Küchen, Privathaushalten (so was gibt es auch noch), als Dorfhelferin, Wohnheimen, Jugendherbergen, großen Firmen, dem öffentlichen Dienst oder landwirtschaftlichen Betrieben etc. arbeiten. Oder man geht weiter zur Schule, macht seinen Betriebsleiter, oder Meister, ein Studium zum Oecotropholgen, Sozialpädagogen etc. Es gibt viele Möglichkeiten und die beruflichen Aussichten sind gut.

…also von wegen altbaksch.

2 Gedanken zu „Was ist eigentlich der vielfältigste Beruf von allen?“

  1. Liebe Uta Janbeck,
    endlich schreibt mal jemand ein Hoch auf das, was viele von uns Hauswirtschafterinnen jeden Tag leisten. Auch ich absolvierte meine (zweite) Ausbildung zur Hauswirtschafterin auf dem 2. Bildungsweg und machte meinen Abschluss 2015. Für meine Arbeit in unserer kleinen Schank-wirtschaft mit Gästezimmer gab dies einen unwahrscheinlichen Auftrieb. Die täglich geleisteten Aufgaben erfüllen einen mit Stolz, finden jedoch wenig Anerkennung in der Öffentlichkeit.
    Danke, liebe Uta, für dieses Dossier!

    1. Liebe Sigrun Musielak!
      Dankeschön und sehr gerne. Es gibt doch genug negative Meldungen über alles, was mit Gastronomie zu tun hat und Hauswirtschaft sowieso. Da wissen wenige Menschen Bescheid. Gut, dass man sich das fachliche Wissen dazu auch nachträglich aneignen kann. Geht nicht gibt´s eben nicht! Viele Grüße, Uta

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