30 Jahre nach Tschernobyl: Atomkraft- Nein Danke!

Mal ganz persönliche Gedanken:

…heute am 30. Jahrestag nach Tschernobyl kann man doch gar nicht anders als das, was wir zu Zeiten von Brokdorf verzweifelt gerufen haben, laut hinausschreien: Atomkraft – Nein Danke!

30 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl sitze ich hier, ganz weit weg von Tschernobyl und die Tage damals sind so präsent als wären sie gestern: es war Kindergeburtstag bei uns, wir haben im Garten ausgelassen gefeiert, die Kinder haben in der Sandkiste getobt. Ein schöner Kindergeburtstag. Ein leichter Frühlingsregen ging abends oder war es am nächsten Tag über die kleine, norddeutsche Stadt in der wir damals lebten.

Keiner ahnte was etliche Kilometer von uns passiert war.

Zwei Tage später kamen erst die Meldungen. Immer mehr wurde bekannt. Es gab keine Handys, Facebook und dergleichen. Also brauchten die Nachrichten, die man wohl mühsam versuchte „unter dem Deckel zu halten“ auch um sich zu verbreiten. Erst gab es erhöhte Meßwerte, die aus Skandinavien gemeldet wurden, dann Tote bei Wartungsarbeiten im Kernkraftwerk von Tschernobyl.

Dann: Es hatte am 26.04.1986 in Tschernobyl einen Unfall im Kernkraftwerk gegeben.

Das war vor zwei Tagen. Und jetzt? Schrecklich diese Ungewissheit: was durfte man hier noch essen? Was sollte man tun? Wie konnten wir unsere Kinder schützen? …und nicht zuletzt was war dort mit den Menschen? Wurde denen geholfen?

Frische Waren vom Markt sollte man nur gegart essen, etliche Menschen vernichteten ihre eigenen Ernten, weil der Regen darüber gegangen war und man nicht wußte wie gefährlich das alles war.

Schrecklich diese Ungewissheit und dabei waren wir so weit weg vom eigentlichen Geschehen…

Kinder durften draußen nicht mehr spielen. Sand in den Spielkisten wurde ausgetauscht, Konserven und Produkte aus der Zeit davor bevorzugt, Milchprodukte gemieden und Pilze gar nicht gegessen werden …Wo war die Wolke runtergegangen, wohin kann man in Urlaub fahren…

Manches war aus heutiger Sicht vielleicht nicht nötig, mancher Rat vielleicht falsch. Manches klingt vielleicht hysterisch. Das passiert, wenn Fragen offen bleiben.

Fragen über Fragen. Fragen ohne Antwort. Fragen ohne Antwort, die einen zornig machen. Fragen ohne Antwort, die wohl bewußt nicht beantwortet wurden…

Wenn man wissen will wie eine Bevölkerung so richtig unwissend gehalten wird muß man nur mal die Menschen aus der ehemaligen DDR fragen. Das hat mich so richtig sprachlos gemacht. Wie ein Staat seiner Bevölkerung vorgaukeln kann „es ist alles unter Kontrolle“.

…in Tschernobyl selbst sprach man bald von einer „Todeszone“

…und heute? Wir sind kein Stück weiter, haben immer noch diverse Atomkraftwerke am laufen und wissen nicht wohin mit dem Müll.

Jetzt haben wir den „Salat“ und müssen damit leben. Mit den undichten Fässern in den Salzstöcken oder sonst wo, mit den Fässern im Meer, die sich anfangen aufzulösen mit den alten Kernkraftwerken. Wir, aber  vor allem noch viele nachfolgende Generationen müssen dafür zahlen…den Profit haben andere gemacht.

Was mich am meisten schockiert ist, dass alles so schnell in Vergessenheit gerät. Wann war nochmal Fukushima? Fünf Jahre ist das her? Wie lange sind die Versprechen her, die aus der Bestürzung heraus ein Umdenken gefordert und angekündigt haben? War das echt, oder nur wieder Effekthascherei? Was ist wirklich passiert?

Fragen über Fragen.

Wie war das nochmal mit der Halbwertszeit?

Zeit für Antworten! Zeit zum Umdenken!

Ganz persönliche Grüße von Uta Janbeck